Bild zum Beitrag: Recycling oder Sperrmüll – Was passiert mit alten Matratzen?

Recycling oder Sperrmüll – Was passiert mit alten Matratzen?

Im Schnitt verbringen wir ein Drittel unseres Lebens im Bett. Damit ist die Matratze wohl der Einrichtungsgegenstand, mit dem wir am meisten Kontakt haben. Nach spätestens 10 Jahren sind Matratzen jedoch durchgelegen und haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht.

Was aber passiert mit alten Matratzen? Welche Recycling-Möglichkeiten gibt es? Und warum sollte eine Matratze nicht einfach zum Sperrmüll gestellt werden? Was sind die nachhaltigsten Alternativen für die Umwelt? Wir liefern die spannenden Antworten.

Das Problem mit der Masse an Altmatratzen

Jeder von uns kennt die Situation: Ist die Matratze durchgelegen oder zu klein für das neue Bett, wandert sie an den Straßenrand. Dort wird sie dann zum nächstmöglichen Termin durch die Müllabfuhr als Sperrmüll abgeholt. Dieses stetige “Bäumchen-wechsel-dich”-Spiel sorgt in der Matratzenbranche für enorme Umsätze.

Allein in Deutschland liegt der geschätzte Umsatz für das Jahr 2022 bei 1,575 Mrd. Euro. Zum Vergleich: In den USA sind es im gleichen Zeitraum 9,945 Mrd. Euro. Bei solchen Umsätzen kannst du bei einem Preis von ca. 50 bis 300 Euro pro Stück von der Kindermatratze bis zur King Size Matratze erahnen, wie viele Altmatratzen jährlich anfallen.

Schätzungsweise summiert sich die Zahlt der Altmatratzen bei einer angenommenen Lebenszeit von 10 Jahren allein in Europa auf 30 Millionen an oder anders gerechnet auf gut 450.000 bis 500.000 Tonnen. Unterstellen wir dabei einmal eine durchschnittliche Matratzenhöhe von ca. 20 Zentimetern, ergäbe der Matratzenstapel eine Höhe von 6.000 Kilometern. Für dieses im wahrsten Sinne des Wortes riesige Problem braucht es eine nachhaltige Lösung.

Sperrmüll heißt meist Müllverbrennung

Matratzen sind nach 10 Jahren vielleicht durchgelegen, fleckig und vergilbt. Wertlos werden sie dadurch aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Matratzen bestehen aus wertvollen Rohstoffen von Metallen aus Federkernmatratzen über textile Stoffe bis hin zu Kunststoffen. Gerade letztere sind im Hinblick auf das Recycling besonders kritisch und interessant zugleich.

Oder hättest du gewusst, das über 30 Prozent der Weltproduktion an Polyurethanen in die Herstellung von Schaumstoffen fließen, welche auch für Matratzen benötigt werden? Noch heute ist ein Großteil der Rohstoffe fossilen Ursprungs aus Erdöl oder Erdgas.

Umso wichtiger ist eine fachgerechte und effiziente Wiederverwertung nach dem Gebrauch. Leider landen von den rund 450.000 bis 500.000 Tonnen Altmatratzen noch über 40 Prozent direkt in der Müllverbrennung. Deutlich weniger als zwei Drittel werden derzeit gesondert deponiert und aufbereitet.

Was aber passiert, wenn du deine Matratze einfach als Sperrmüll an den Straßenrand stellst? Glücklicherweise werden Matratzen in manchen Regionen vereinzelt schon gesondert eingesammelt. In der Regel landen sie jedoch mit dem verbleibenden Sperrmüll in der Hydraulikpresse des Müllwagens. Dort sowie am Abladeplatz landen die Matratzen vermischt mit dem Unrat.

Dadurch werden sie beschädigt, verschmutzt und durch Stoffe kontaminiert. Das macht die meisten Recycling-Verfahren unmöglich. Die Endstation lautet daher Müllverbrennungsanlage. Ein Grund mehr, dass du deine alten Matratzen direkt vor deiner Haustür für das Recycling abholen lässt.

Probleme bei der Verwertung

Dass Matratzen wertvolle Rohstoffe enthalten, ist den meisten Menschen klar. Ingenieure, Chemiker und andere Experten machen sich daher bereits seit langem auf die Suche nach Möglichkeiten für ein effizientes Matratzenrecycling. Dabei ergeben sich unter anderem die folgenden Hauptprobleme:

  • Stoffliche Vielfalt der Matratzen: Die Zeiten der Standard-Matratzen ist vorbei. Heute sind Matratzen auf Ergonomie und Komfort ausgelegt. Darüber hinaus sollen sie bestimmte Funktionen wie eine optimale Thermoregulation erfüllen und für einen ausgeglichenen Feuchtigkeitstransport sorgen. Hierzu setzen Hersteller auf unterschiedlichste Materialien, sodass auf dem Markt eine Vielfalt unterschiedlichster Materialzusammensetzungen besteht. Das macht das Recycling nicht einfacher. Eine Vereinheitlichung der Ausgangsmaterialien für die internationale Matratzenindustrie wäre ein möglicher Ansatz.
  • Trennung der Materialien: Die stoffliche Vielfalt der Materialien stellt bereits die Herausforderung, dass es unterschiedliche Verfahren für die optimale Verwertung geben muss. Nur so kann das Material optimal recycelt werden. Dementsprechend braucht es auch Trennprozesse. Was bei der Unterscheidung von Metallen und Nichtmetallen sehr einfach möglich ist, stellt bei der Trennung von unterschiedlichen Kunst- und Schaumstoffen sowie Textilfasern ein Problem dar. Es braucht also auch hier zuverlässig Trennprozesse als Grundlage.
  • Qualität des zu recycelnden Materials: Ein weiterer Problemfaktor ist die Qualität des Materials aus den Matratzen. Entscheidend hierfür ist eine möglichst sortenreine Sammlung, was das Einsammeln von Matratzen über den Weg des Sperrmülls wenig sinnvoll erscheinen lässt. Ziel muss es vor allem für das Recycling von Schäumen sein, den Einfluss von Schmutz und Nässe möglichst zu minimieren.
  • Keine praktikablen Recycling-Verfahren: Allem voran bei einigen der verwendeten Schaum- und Kunststoffmaterialien gibt es derzeit noch keine Recycling-Verfahren. Oftmals sind zwar schon Technologien für das Recycling erforscht, es fehlt jedoch an einem Prozess, der sich in wirtschaftlichem Maß umsetzen lässt.

Ungeachtet der Probleme, die sich aus den Materialien, der Logistik und der Trennung ergeben, existieren bereits diverse Möglichkeiten, Altmatratzen zu recyceln. Abhängig davon, was mit den Materialien geschehen soll und um welche Stoffe es sich handelt, können die Verfahren auch als aufeinander folgende Schritte verwendet werden.

Thermische Verwertung – Die Notlösung

Hättest du gewusst, dass Gemeinden bzw. die zuständigen Organe oftmals sogar dazu verpflichtet sind, Matratzen aufgrund der recycelbaren Materialien gesondert zu sammeln? Trotzdem landen sie meist im normalen Sperrmüll und damit zumindest in der Regel für die thermische Verwertung in der Müllverbrennungsanlage.

Das ist immerhin besser als die dauerhafte Unterbringung auf einer Mülldeponie, wo die Rohstoffe gar nicht genutzt werden. Bei der thermischen Verwertung in sogenannten Waste-to-Energy-Anlagen wird aus den energiereichen Abfällen Energie gewonnen – meist in Form von Wärme oder Strom. Da sich alternative Verwertungsverfahren mittlerweile herumsprechen, lehnen immer mehr Waste-to-Energy-Anlagen Matratzen zur energetischen Verwertung ab.

Das liegt unter anderem auch daran, dass das Recycling oftmals bereits günstiger ist als das Verbrennen, da das Matratzenmaterial zunächst geschreddert werden muss. Um wirklich sicherzustellen, dass deine Matratze nicht in der Müllverbrennung, sondern im Recycling landet, solltest du sie direkt bei dir zuhause abholen lassen oder sie gleich zum Wertstoffhof bringen.

Mechanisches Recycling – Materialrückgewinnung per Schredder

Eine Möglichkeit für das Recycling von Altmatratzen ist die mechanische Verwertung. Diese wird unter anderem bereits an mehreren Standorten in Deutschland, den Niederlanden (z.B. Retourmatras) und Frankreich angewandt. Kennzeichnend ist, dass der Trennungs- und Aufbereitungsprozess angefangen von der zu verwertenden Matratze bis zum zurückgewonnenen Rohstoff vollständig durch mechanische Einflüsse erfolgt. Die zum Einsatz kommenden Anlagen funktionieren ähnlich.

  1. Im ersten Schritt werden die für die Verwertung angelieferten Matratzen sortiert. Das betrifft etwa die Trennung von Schaumstoffmatratzen und Federkernmatratzen.
  2. Die Matratzen werden gereinigt und desinfiziert. An schließend werden sie der weiteren Verwertung zugeführt.
  3. Es erfolgt eine grobe Trennung der Materialien, bevor das Material in einem großen Schredder landet, um dort zerkleinert und aufgetrennt zu werden.
  4. Im nächsten Schritt wird das geschredderte Materialgemisch möglichst sortenrein sortiert. Um etwa Textilfasern von Schaumstoff und anderen schwereren Materialien zu trennen, kommt ein Luftstromverfahren zum Einsatz.
  5. Die sortierten Rohstoffe werden anschließend gesammelt, verpackt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet.

Dieses Verfahren ist mit einer Rückgewinnungsquote des Materials von 90 bis 93 Prozent bereits heute sehr hoch. Das verbleibende Material bleibt ebenfalls nicht ungenutzt, sondern wird zumindest der thermischen Verwertung zugeführt. Problematisch ist allerdings noch die Kapazität der Anlagen.

Eine der größten deutschen Anlagen ist die “D & E Entsorgung” in Wesel. Diese schafft jährlich bis zu 2.000 Tonnen oder 130.000 Matratzen. In Relation zu den 30 Millionen Altmatratzen, die in Europa jährlich anfallen, ist das allerdings ein Tropfen auf den heißen Stein.

(Thermo-) Chemisches Recycling – Rückgewinnung hochwertiger Recycling-Polyole

Thermochemisches Recycling ist ein Verfahren, das insbesondere für nicht oder nur schwer werkstofflich verwertbare Kunststoffe wie Polyurethan zum Einsatz kommt. Ziel ist es, die Kunststoffpolymere über thermochemische Prozesse in ihre Grundbausteine (Monomere) zu zerlegen. Mögliche Optionen sind die Vergasung, die Pyrolyse und die Verölung der Kunststoffe. In mehr oder weniger aufwendigen Arbeitsschritten werden die flüssigen oder gasförmigen Erzeugnisse sowohl energetisch als auch stofflich zurückgewonnen.

Eine Besondere Wichtigkeit kommt beim Matratzenrecycling der Aufbereitung und Wiederverwendung der Schaumstoffe zu. Das gilt vor allem PU-Schäume. Immerhin handelt es sich bei rund 70 Prozent aller verkauften Matratzen um Schaumstoffmatratzen – Tendenz steigend. Bereits im April gab das Fraunhofer-Institut aus Pfinztal einen technologischen Durchbruch für das chemische Recycling von PU-Materialien (u.a. aus Matratzen) bekannt.

Im Rahmen eines chemischen Verfahrens werden die Polyurethan-Abfälle durch ein chemisches Verfahren aufgespalten. Dadurch wird das ursprünglich für den Matratzenschaum verwendete Polyol zurückgewonnen. Dieses sogenannte Sekundäre-Polyolen kann wiederum für die Herstellung von Matratzen oder anderen Gütern wie Klebstoffen, Dämmplatten, Kissen oder isolierenden Schäumen für die Bauindustrie verwendet werden.

Vorteile von nachhaltigem Matratzenrecycling

  • Im Vergleich zu anderen recycelbaren Gegenständen, sind Matratzen leicht zu sammeln und zu sortieren.
  • Wiederverwertung von verwendeten Materialien als Rohstoffe oder Hilfsstoffe für andere Produkte.
  • Verwendung einiger zurückgewonnener Rohstoffe für die Herstellung neuer Matratzen im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft.
  • Recycling spart im Gegensatz zur Gewinnung neuer Materialien aus fossilen Rohstoffen viel CO2.
  • Der Verbrauch fossiler Rohstoffe, die an anderer Stelle eher gebraucht werden, sinkt drastisch.
  • Mit dem Recycling und insbesondere der Kreislaufwirtschaft verringern sich die Kosten für die Abfallentsorgung.
  • Dank spezieller Rückgewinnungsverfahren stehen die Matratzen aus Recycling-Material den Matratzen aus konventionellem Material qualitativ kaum in etwa nach.

Fazit – Viele Baustellen und ein Hoffnungsschimmer

Angesichts der großen Menge an Altmatratzen sowie der darin enthaltenen Kunststoffe ist effizientes Recycling essenziell. Ein Vorbild für den Willen für die Lösung dieses globalen Problems liefert in den USA ausgerechnet die Matratzen-Industrie selbst. Der Mattress Recycling Council hat in zahlreichen Staaten eine umfassende Recycling-Gesetzgebung mit angestoßen, Zudem schaffen die Hersteller umfassende Transparenz über Recycling-Eigenschaften und Zeiten von diversen Materialzusammensetzungen von Matratzen.

Ein solch umfangreiches System, das die Recycling-Prozesse von der Abholung bis zur sortenreinen Rückgewinnung von Rohstoffen beschreibt und unterstützt, gibt es derzeit weder in der EU noch in Deutschland. Neben der bereits vorhandenen und weiterhin in Forschung befindlicher Technik gilt es hierzulande also noch die Organisatorischen Prozesse für das nachhaltige Matratzenrecycling umzusetzen. Die Matratzenabholung von Remattress ist bereits ein solcher wichtiger Schritt, mit dem du deinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt leisten kannst.