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Was ist Kreislaufwirtschaft und wie fördert sie den Klimaschutz?

Eines müssen wir festhalten: Unser modernes Leben produziert eine Menge Abfall. Sei es nun in Form von Verpackungsmaterial, kaputten Dingen oder von Prozessendprodukten. Weltweit steigt die Müllmenge parallel zum zunehmenden Wohlstand der Menschen immer weiter an. Kein Wunder, immerhin haben auch die Menschen in anderen Teilen der Welt das gleiche Recht darauf, ebenso wie wir im Wohlstand zu leben.

Da wäre nur ein Problem, der Abfall. Die Kreislaufwirtschaft ist ein Baustein einer nachhaltigen Wirtschaft, mit der sich Konsum, Wohlstand und Nachhaltigkeit langfristig problemlos miteinander kombinieren lassen. Aber was bedeutet Kreislaufwirtschaft? Wie funktioniert die Kreislaufwirtschaft? Und wie kann sie wirklich funktionieren? Wir beleuchten die wichtigsten Fakten.

Was ist Kreislaufwirtschaft?

In Deutschland sind wir als Mülltrenner bekannt. Es gibt wohl kein anderes Land auf dieser Erde, in dem der Hausmüll direkt vom Verbraucher so kleinteilig getrennt wird. Warum wir das alles tun? Um das Recycling wertvoller Rohstoffe zu erleichtern und im Gegenzug den für die thermische Verwertung bestimmten Restmüll zu reduzieren.

Den Bemühungen der letzten Jahrzehnte haben wir es zu verdanken, dass unser Abfallaufkommen deutlich langsamer steigt. Nichtsdestotrotz liegt es laut dem Statistischen Bundesamt noch immer bei 416,5 Millionen Tonnen pro Jahr (2019). Die Kreislaufwirtschaft (auch: Circular Economy) ist ein Ansatz, der nicht nur die Menge des anfallenden Abfalls reduziert.

In Zeiten, in denen die Weltbevölkerung zumindest noch einige Jahrzehnte weiter steigen wird, ist sie eine effektive Methode, um Ressourcen zu schonen und effizienter zu nutzen. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Rohstoffe möglichst effizient einzusetzen. Das betrifft sowohl effiziente Fertigungsverfahren mit minimalem Ressourceneinsatz – vielmehr jedoch deren Wiedergewinnung durch Recycling. Als ganzheitlicher Prozess zieht sich die Kreislaufwirtschaft durch alle Ebenen unserer Wirtschaft und unseres Lebens.

So funktioniert die Kreislaufwirtschaft

Ein Kreislauf zeichnet sich dadurch aus, dass er geschlossen ist. Es gibt also keine Verluste nach außen, bei denen etwas unwiederbringlich verloren geht. Im ganz großen Maßstab kannst du dir die Kreislaufwirtschaft wie unser Universum mit seinen Naturgesetzen vorstellen: Energie kann nicht verlorengehen – sie tritt lediglich an anderer Stelle in anderer Form auf und wird damit durch bestimmte Prozesse in eine andere Form gebracht.

Auch die Nahrungspyramide auf unserem Planeten ist eigentlich ein Kreislauf. Selbst das Raubtier an der Spitze der Nahrungspyramide löst sich nach seinem Tod in seine molekularen Bestandteile auf. Damit wird es wiederum zur Lebensgrundlage für Einzeller, womit der Lebenskreislauf erneut beginnt. Das gleiche Prinzip lässt sich dank modernen Produktions- und Recycling-Prozessen auch auf unsere Wirtschaft ummünzen. Wie genau die Kreislaufwirtschaft genau funktioniert, zeigt das folgende Beispiel.

Kreislaufwirtschaft in 7 Schritten

  1. Abbau neuer Rohstoffe für die Produktion. Diese Rohstoffe sind im Idealfall regenerativ oder basieren auf regenerativen Prozessen. So z.B. die Bindung von CO2, das bei der Produktion von Produkten anfällt in gepflanzten Bäumen.
  2. Intelligentes Produktdesign, das Wert auf effiziente Rohstoffverwendung legt.
  3. Im Rahmen von Herstellungsprozessen, wird energie- und materialeffizient gearbeitet. Wichtig: Auch die Wiederaufbereitung nicht mehr benötigter Güter gehört zur Kreislaufwirtschaft. Das betrifft etwa den Second Hand-Verkauf ebenso wie das Upcycling durch Wiederaufarbeitung.
  4. In diesem Schritt werden die Produkte über mehrere Kanäle vertrieben. Auch der Vertrieb sollte auf Ressourceneffizienz getrimmt sein.
  5. Produkte, diese sollten reparierbar und damit möglichst lange nutzbar sein. Die Basis für diesen Schritt wird bereits in Schritt zwei durch intelligentes und nachhaltiges Produktdesign gelegt.
  6. Produkte, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und nicht mehr reparier- oder nutzbar sind, werden gesammelt. Diese Sammlung findet möglichst getrennt und spezialisiert statt. Dies wird durch Mülltrennung nach Kunststoffen, Papier, Elektro, Batterien etc. gewährleistet.
  7. Im letzten Schritt werden die gesammelten und getrennten Materialien durch verschiedenste Prozesse getrennt und zu “neuen” Rohstoffen aufbereitet. Nur die absolut nicht weiterverwendbaren Bestandteile landen im “Restmüll”.

Durch die thermische Verwertung können die verbleibenden “Restabfälle” zumindest noch in Form von Energie genutzt werden. Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es aber immer, den “Restmüllanteil” so gering wie möglich zu halten. Immerhin bestimmt der Teil der Rohstoffe, der den Kreislauf verlässt, erheblich den Bedarf nach neuen Rohstoffen.

Kreislaufwirtschaft ist die Lösung für eine nachhaltige Zukunft

Die Kreislaufwirtschaft ist der Gegenentwurf zur klassischen linearen Wirtschaft. Damit gemeint ist die Nutzung natürlicher Rohstoffe für Produkte, die nach ihrer Nutzung einfach auf dem Abfall landen. In diesem Sinne hat der Mensch die Kreislaufwirtschaft durch die Wiederverwendung schon immer zu gewissen Anteilen praktiziert.

Jeweils in mehr oder weniger starker Ausprägung. Nichtsdestotrotz ist die globale Wirtschaft noch immer stark von linearen Strukturen mit hohen Mengen an “Restmüll” geprägt. Um den menschlichen Einfluss auf die Natur, die Treibhausgasemissionen und den natürlichen Ressourcenvorrat so gering wie möglich zu halten, ist die Umstellung zur Kreislaufwirtschaft essenziell.

Die einzige Alternative wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine Rückkehr in die Steinzeit. Und das mit allen Nachteilen, die dies in Sachen Komfort, Gesundheit und Wohlstand für uns alle bedeuten würde. Damit ist die Kreislaufwirtschaft teil eines ganzheitlichen Konzepts für ein nachhaltiges und gutes Leben im Wohlstand.

Im Kontext des “Reduce – Reuse – Recycle”-Konzepts übernimmt die Kreislaufwirtschaft mit den Punkten “Reuse” und “Recycle” zumindest begrifflich zwei Drittel. In der Realität dürfte der Einfluss auf den Gesamteffekt des nachhaltigen Lebens noch größer sein. Nichtsdestotrotz spielt auch das Prinzip “Reduce” durch einen bewussteren Konsum eine entscheidende Rolle.

Unterstützung durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz

Ohne entsprechende Rechtsvorschriften lassen sich viele Dinge gesamtgesellschaftlich nicht nachhaltig anstoßen. Das ist auch in Sachen Entsorgungs- bzw. Kreislaufwirtschaft nicht anders. In Deutschland gibt es mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) seit dem 1.06.2012 sogar ein gleichnamiges Gesetz für die Kreislaufwirtschaft. Infolge der Novellierung der EU-Abfallrahmenrichtlinie im Jahr 2008 wurden so Regelungen geschaffen, um die Recyclingwirtschaft zu stärken.

Dies geschieht durch präzise Regelungen und Definitionen, was die Eigenschaften von Abfällen sowie die Behandlung von Nebenprodukten angeht. Kern der Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist die sogenannte Abfallhierarchie. Diese gibt vor, welche Maßnahme z.B. Unternehmen bei der Produktion von Gütern priorisiert beachten sollten.

  1. Abfallvermeidung
  2. Wiederverwendung
  3. Recycling
  4. Sonstige Verwertung
  5. Abfallbeseitigung

Die hierarchische Ordnung ist absteigend in ihrer Priorität. Dabei soll der ökologisch vorteilhafteste Weg (sofern möglich) immer Vorrang haben. Soziale Aspekte (z.B. extrem hohe Preise) und wirtschaftliche Aspekte (z.B. betriebliche Unwirtschaftlichkeit) sollen dennoch laut Gesetz immer in angemessener Weise berücksichtigt werden. Rein rechtlich gilt durch das Gesetz hierzulande für den Abfall das Verursacherprinzip. Dies bedeutet, dass der Hersteller eines Produkts die Verantwortung für die Entsorgung und Rücknahme bestimmter Stoffe hat.

Auf einen Blick: Vorteile der Kreislaufwirtschaft

  • Drastische Verringerung des Verbrauchs endlicher Ressourcen auf unserem Planeten (z.B. Erdöl, Erze)
  • Reduzierung des Ausstoßes von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen
  • Förderung und Stärkung der Artenvielfalt sowie wertvoller Ökosysteme auf unserem Planeten
  • Verringerung des Eintrags von Abfällen in die Ökosysteme (z.B. Plastikmüll in unseren Meeren, Mikroplastik im Wasser)
  • Weniger Abfall, der sich allgemein in der Umwelt befindet und dort Tiere, Menschen, Pflanzen und das Grundwasser gefährdet
  • Schaffung zusätzlicher lokaler Arbeitsplätze durch neue Technologien und Dienstleistungsbedarfe.
  • Längere Nutzungsdauer von Produkten für Verbraucher durch Reparaturfähigkeit, Upcycling und reduzierte Produktalterung
  • Förderung von technologischen und organisatorischen Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Einsparung von Materialkosten durch die gezielte Wiederverwertung
  • Mehr Werterhalt bei Gütern, was den Konsumdruck massiv reduziert und sich sowohl positiv auf den Geldbeutel als auch auf die Psyche auswirkt
  • Erhöhte Sicherheit der Versorgungs- und Lieferketten durch höhere Materialversorgungssicherheit dank regionalem Recycling
  • Globales Wohlstandswachstum ohne Verzicht und dadurch mehr Gerechtigkeit auf dem Planeten.

Beispiele für gelungene Kreislaufwirtschaft

Eine Kreislaufwirtschaft erfordert neue Technologien und organisatorische Prozesse. Das stellt eine wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar. Eine Herausforderung, die in einigen Branchen bereits von immer mehr Firmen umgesetzt wird. Diese zeigen: Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist keine einseitige ökologische Angelegenheit, sondern ist bereits als für alle Beteiligten vorteilhafte Wirtschaftsform in der Realität angekommen:

Beispiel 1: Kreislaufwirtschaft in der Matratzenindustrie

Mit der Modellreihe “Evolve” existiert bereits die erste vollständig in Kreislaufwirtschaft hergestellte Matratze der Welt. Nach dem Einsammeln der Matratzen werden diese durch mechanisches Trennen und chemisches Recycling in ihre Rohstoffe aufgetrennt. Diese wiederum werden gereinigt, konzentriert und aufbereitet, sodass sie im nächsten Schritt in einer weitgehend grünen Fabrik zu einer fabrikneuen Matratze verarbeitet werden.

Beispiel 2: Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche

In der Textilindustrie spielt die Kreislaufwirtschaft u.a. durch die Kleidersammlung bereits seit vielen Jahrzehnten eine Rolle. Was nicht mehr als Gebrauchtkleidung weiterverkauft werden kann, landet bei zahlreichen Textilfirmen im Textilrecycling. Hochwertige Fasern (vor allem natürliche Fasern) werden wieder aufbereitet und zu Garn für neue Kleidung verarbeitet. Was dagegen aus Altkleidern nicht mehr für neue Kleidung verwertbar ist, wird zu Putzlappen oder Dämmmaterial weiterverarbeitet. Gleichzeitig kommen in der Textilindustrie für die Herstellung neuer Kleidungsstücke bereits Kunststoffgarne aus recycelten PET-Flaschen zum Einsatz.

Beispiel 3: Kreislaufwirtschaft in der Verpackungsbranche

Verpackungen sind lediglich die Hülle für ein Produkt. Damit sind Recycling-Rohstoffe (sog. Rezyklate) optimal für die Herstellung von Verpackungen und Verpackungsmaterialien geeignet. Ein Beispiel liefert die Firma happybrush, die für ihre Mundspülung eine Rezyklat-Flasche verwendet. Diese besteht aus wiederverwertetem Altplastik. Wird die Flasche durch den Endkonsumenten wiederum korrekt entsorgt, dient auch diese Flasche im Recyclingprozess wiederum der Rückgewinnung von Rohstoffen – u.a. für weitere Recycling-Flaschen

Fazit

Die Transformation von der linearen Wirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft ist ein Prozess der ganzheitlich sein muss. Das bedeutet, dass es wenig bringt, wenn nur einige Akteure ihn vollziehen. Das Ziel der nachhaltigen Wirtschaft kann nur dann gelingen, wenn alle Teile unserer Gesellschaft ihn mittragen.

Das betrifft neben der Wirtschaft und der Politik natürlich auch uns Bürger selbst sowie die Wissenschaft. Und das auch auf verschiedenen Ebenen abgefangen von der Kommune vor Ort über Bundesländern und die BRD bis hin zur EU und der Staatengemeinschaft der Welt. Wichtig zu unterstreichen ist, dass der Umbau zahlreiche Eingriffe in die Wertschöpfungskette verlangt.

Mit einfachem Verzicht ist es jedoch nicht getan. Das Thema “langes Leben in Gesundheit und Wohlstand” hatten wir ja bereits. Wichtig ist es, Kooperation, Koordination und Innovation auf organisatorischer und technischer Ebene eine maximale Ressourceneffizienz zu erzielen.

Die Frage muss lauten: Wie können wir unseren Wohlstand erhalten bzw. sogar weltweit erhöhen, ohne den Kreislauf zu verlassen? Hierzu braucht es ein Umdenken bzgl. der Reparierbarkeit von Produkten und des Konsums. Das Prinzip, lieber ein hochpreisiges, hochwertiges und langfristig nutzbares statt mehrerer billiger zu kaufen, ist hier essenziell.